24.09.2019

#2 - Die Aussteller

Vom Jugendstil zum Art Déco

Jahrhundertwende und Zwischenkriegszeit, Jugendstil, Art Déco, Expressionismus haben auch in Österreich in großartiger Kunst ihren Niederschlag gefunden. Kunstströmungen, die gefragt sind, aber immer noch die eine oder andere Entdeckung bereithalten und natürlich in reicher, erstklassiger Auswahl auf der ART&ANTIQUE anzutreffen sind.

GALERIE BEI DER ALBERTINA ▪ ZETTER, Wien

Die Keramik der Wiener Werkstätte hat auf dem Stand der Galerie bei der Albertina ▪ Zetter ihren Auftritt. Etwa mit einem „Mädchenkopf mit blau umrahmten Augen“, 1928, roter Scherben, mehrfarbig glasiert, von Vally Wieselthier entworfen. Sie war von 1917 bis 1922 für die Wiener Werkstätte tätig und prägte so wie ihre Kolleginnen, darunter Erna Kopriva, Susi Singer, Kitty Rix oder Gudrun Baudisch die herausragende Wiener Keramik-Kunst der Zwischenkriegszeit.
Noch 1907 hatte Oskar Kokoschka, „Zwei Studien nach Lilith Lang im Profil“, in Bleistift auf bräunlichem Papier gezeichnet. Dieses Blatt steht in Zusammenhang mit seinem Märchenbuch „Die träumenden Knaben“ (1907/8). Kokoschka, der damals für das außergewöhnliche Mädchen schwärmte, bezeichnete das Buch später als seinen „ersten Liebesbrief“ an sie.

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GALERIE SUSANNE BAUER, Wien
Lilith Lang stammte aus bester intellektueller Wiener Gesellschaft. Ihr älterer Bruder Heinz gehörte schon mit 17 zum Kreis um Altenberg und Loos. Er ging eine Liebesbeziehung mit Lina Loos ein, die aufflog. Heinz reiste nach England. Nachdem er einen Brief von Loos und einen Abschiedsbrief von Lina erhalten hatte, erschoss er sich. Aus angelsächsischen Clubs stammt ein höchst bequemer Lehnstuhltyp, der „Knieschwimmer“, den Adolf Loos adaptierte, und der ab 1906, in der Ausführung von F. O. Schmidt, Wien, gekauft werden konnte. Die Galerie Susanne Bauer hat einen solchen im Messe-Programm. Aus dem heraus kann man dann ganz bequem Oskar Laskes Gemälde „Vorsintflut“ (um 1930) betrachten.

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CITY-ANTIK, Wien
Die Wiener Firma Goldscheider existierte von 1885-1938 und gilt als eine der bedeutendsten Wiener Keramikmanufakturen. Zu den großen Verkaufsschlagern zählten vor allem die mondänen Revuetänzerinnen-Figurinen aus der Zeit des Art Déco, die in den 1920er Jahren auch international gefragt waren. Die Galerie City-Antik lässt eine solche in der Hofburg 44,5 cm hoch tanzen. Sie wurde um 1930 gefertigt, nach einem Entwurf von Stefan Dakon.
Eine 18 cm große Vase von Lötz Klostermühle mit dem Dekor Phänomen Genre 2/474, mit Silbermontierung, aus der Zeit um 1902 ist dann ein prächtig irisierendes Beispiel österreichischer Glaskunst aus dem Jugendstil.

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KUNSTHANDEL KOLHAMMER, Wien
Wie verschieden in der legendären böhmischen Glasmanufaktur produziert wurde, zeigt eine Lötz-Vase von 1911 im Programm von Kunsthandel Kolhammer. Der Entwurf ist Adolf Beckert zugeschrieben, das 15,5 cm hohe Glas ist formgeblasen, geätzt, und mit Emailfarbe bemalt. Sofort als typisch Lötz erkennbar und dank der monumentalen Größe doch außergewöhnlich, ist eine Vase mit Tropfenauflagen, Dekor Phänomen Genre 1/78, signiert, um 1900. Mundgeblasene Vasen mit einer Größe von fast 50 cm mit solch aufwändigen Dekoren gehören zu den technisch am stärksten fordernden Arbeiten, die Loetz je hergestellt hat.
Es muss nicht immer Glas sein. Das zeigt die Vase „Primrose“. Sie besitzt einen Kupferkorpus und ist mit Silberfolie und Email geziert. Entworfen hat sie Camille Fauré und gefertigt wurde sie zwischen 1928-1930 in Limoges. Die emaillierten Vasen aus Limoges sind ein Zeugnis höchster kunsthandwerklicher Meisterschaft und mit ihrem abstrakt-geometrischen Muster wahre Meilensteine für die Ästhetik des französischen Art Déco.

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LILLY´S CONTEMPORARY ART EXCLUSIVE ANTIQUES, Wien
Mit einer Kommodenuhr kehren wir bei Lilly´s Contemporary Art Exclusive Antiques zum Wiener Jugendstil zurück. Es handelt sich um ein Stück mit Künstlermonogramm von Joseph Maria Olbrich (1867 Troppau - 1908 Düsseldorf), dem Architekten der Wiener Secession. Um 1904 hat er die in Mahagoni furnierte und politierte, mit ornamentalen Messingintarsien geschmückte und mit einem versilberten Zifferblatt versehene 35 cm große Uhr entworfen.
Lilly´s Contemporary Art Exclusive Antiques zeigt auch, dass man sich bereits im Biedermeier in Wien bestens auf Zeitmesser verstand. Das Beweisstück ist eine Bilderuhr der „Ferdinands Brücke in Wien“ des „C. L. Hofmeister“ von 1827. Sie ist in Öl auf Metall gemalt und kann dank Musikspielwerk zwei Melodien spielen.

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KUNSTHANDEL WIDDER, Wien
Erneut in die Zwischenkriegszeit führt ein Gemälde von Paul Kirnig (Bielitz 1891 - 1955 Wien). Es zeigt bei Kunsthandel Widder ein „Stahlwerk“, um 1930, Öl auf Holz, 174 x 118,8 cm groß. Paul Kirnig wechselte nachdem er einige Semestern an der technischen Hochschule studiert hatte, an die Wiener Kunstgewerbeschule, wo er bei Franz Cizek und Bertold Löffler lernte und ab 1935 bis 1953 auch unterrichtete, zunächst als Lehrer, bald als Leiter der Fachklasse für Gebrauchs-, Illustrations - und Modegrafik. Vor allem Motiven der Technik und Industrie galt sein Interesse als Maler.

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