30.09.2019

#3 - Die Aussteller

GRINZIGER BAUMEISTERKINDER UND DER JAHRMARKT DES LEBENS

Vom Schuster zum Akademiestudenten und zum gefragten Genremaler, als Försterstochter eine hochgeschätzte Freiluftmalerin der Jahrhundertwende, mit dem Wissen der ganzen Staatswissenschaften in die Kärntner Einschicht – Ganz unterschiedlich können Künstler-Lebenswege verlaufen. Auf der ART&ANTIQUE kann man ihnen nachspüren.

KUNSTHANDEL GIESE & SCHWEIGER, Wien

Oberdöbling war bis 1891 eine eigenständige Gemeinde. 1807 wurde dort Michael Neder geboren. Der Vater war Schuhmachermeister, also lernte auch der Sohn Schuster. Bis seine zeichnerische Begabung entdeckt wurde. Er studierte an der Akademie, Daffinger und Gauermann lobten ihn. Natürlich gilt er als Vertreter des Biedermeier, doch lässt sich sein originelles Schaffen nur schwer in das stilistische und motivische Spektrum einpassen.
Nicht lang braucht man von jedenfalls Oberdöbling nach Grinzing, wo die „Kinder des Baumeister Wedel“ wohnten, die Neder 1839 in Öl auf Holz gemalt hat. In der Hofburg posieren sie jetzt bei Kunsthandel Giese & Schweiger.
Dabei schauen die Altwiener Kinder auf österreichische Moderne. Denn man stellt auch „Ornis“, 1983, Öl auf Leinwand, 171 x 140,5 cm, des 2003 verstorbenen Gottfried Mairwöger aus. Der studierte bei Hollegha in Wien, hat sich aber auch am Colorfield Painting eines Morris Louis und einer Helen Frankenthaler orientiert.

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KUNSTHANDEL FRELLER, Linz

Eine ganze unikate Welt ist bei Kunsthandel Freller zu entdecken, wenn Oskar Laskes großformatiger „Jahrmarkt des Lebens“ seine Pforten öffnet. 1936 hat Laske das 150 x 140 cm große Gemälde in Öl und Tempera auf Leinwand gemalt. Es ist eine satirische Komposition, deren kritische Botschaft einem zeitlos brisanten Thema gilt, der Käuflichkeit in all ihren Dimensionen. Laske formuliert es selbst so: „Jahrmarkt des Lebens – Man sieht die Börse der Welt, die sorgfältig mit Verkaufsbuden bedeckt ist. Kauf und Verkauf von Würden, Ämtern, Ehrenzeichen, auch Kronen von Männern, die Frauen kaufen und verhandeln, Frauen, die Männer einhandeln, auch Kriegsgerät, dem Nächsten zum Verderb, für Geld ist alles zu haben und dazwischen schlängeln sich Bestechungsketten hindurch.“ Ein sich im Hintergrund erhebender Turm, bezeichnet mit „Bourse“ (Börse), bildet das Zentrum, ist der Dreh- und Angelpunkt für all die fragwürdigen Aktionen.
Abkühlen kann man sich nach solch brisanter Bildkost in Carl Molls „Kalter Lacke im Prater“ Öl auf Platte, 70 x 60 cm groß.

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KOLHAMMER & MAHRINGER, Wien
Bei Kolhammer & Mahringer bittet man mit Marie Egner (1850 - 1940) die malenden Frauen der Jahrhundertwende vor den Vorhang. Egner zählt neben Tina Blau und Olga Wisinger-Florian zu den wichtigsten österreichischen Künstlerinnen um 1900. Auch sie war Schülerin von Emil Jakob Schindler. In Wien war sie von 1900 bis 1909 Mitglied der Gruppe „Acht Künstlerinnen“ und bei Venedig malte sie ein „Sonnenblumenfeld“, Öl auf Leinwand, 100 x 75 cm.
Neben einem Aquarell von František Kupka, aus der Serie „Circulaires et rectilignes“ von 1930/33, und einer „Reclining Nude“, einem Gipsmodell von Henry Moore und Studio von 1983, findet sie sich bei Kolhammer & Mahringer dabei in bester Gesellschaft.

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KUNSTHANDEL HIEKE, Wien
Mit Helene Funke trifft man auf ein weitere Bedeutende der Wiener Kunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Kunsthandel Hieke präsentiert das Ölbild „Lilien in Vase“ aus den 1920er Jahren, das auch in „P. Funke, Die Malerin Helene Funke, Leben und Werk, Wien 2011.“ dokumentiert ist. 1998 fand Helene Funkes Wiederentdeckung im Kunsthandel Hieke statt, die nunmehr als eine der wichtigsten Künstlerinnen Österreichs gilt. Denn so weiß man bei Hieke: „Helene Funke ist ein Beweis dafür, dass die Kunstgeschichtsschreibung neu gedacht werden muss. Die österreichische Moderne/der österreichische Expressionismus wäre ohne ihren französisch geprägten Stil nicht dieselbe, trotzdem wurde ihr nach 1945 kategorisch jeglicher Einfluss abgesprochen. Das Stilleben mit weißen Lilien, die seit dem Altertum ein Symbol der Liebe sind, ist ein Höhepunkt ihrer Malerei.“

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RUNGE KUNSTHANDEL, Eferding

So wie Helene Funke, die sich international orientierte, besonders an Paris und den Fauvisten, zog es auch Willy Eisenschitz nach Frankreich. 1889 wurde Eisenschitz als Sohn einer jüdischen Advokatenfamilie in Wien geboren. 1911 begann er an der Akademie zu studieren. Doch die Impressionisten faszinierten ihn, also ging er 1912 nach Paris, wo er sein Studium fortsetzte. Auch wenn er den Kontakt zu Wien nicht abbrach, blieb er in Frankreich, wie seine „Landschaft im Languedoc“, Öl auf Leinwand, 64,7 x 81 cm, bei Runge Kunsthandel zeigt.
Den Kontinent wechselt man bei Runge dann mit Paul Jenkins. 1923 in Kansas geboren, zog es ihn 1948 nach New York, wo ihn die Vertreter des Abstrakten Expressionismus prägten, wie seine Arbeit „Phenomena Gauguins Fan“, Tusche auf Papier, 1972, 56 x 76 cm, zeigt.

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SCHÜTZ FINE ART, Wien
1904 wurde Werner Berg in Wuppertal geboren. Die Leidenschaft zur Kunst entdeckte er früh. Nach einer Handelslehre und einem Studium der Staatswissenschaften, das er in Wien abschloss, konnte er endlich Malerei an der Akademie studieren. 1930 zog er mit seiner Frau Amelie Kuster dann nach Kärnten. Seine Motive waren weitgehend vom Alltag inspiriert. Immer wieder spielt auch das Licht in seinen Arbeiten eine große Rolle. Schlagschatten sorgen für scharfe Konturen, Mondlicht, Sonnenlicht schaffen bestimmte Stimmungen. Genauso wie künstliches Scheinwerferlicht, das bei Berg etwa ein Gehöft, Sonnenblumen oder 1974 eine Baumgruppe hell beleuchtet wie im Ölgemälde „Bäume im Scheinwerferlicht“, 60 x 100 cm, das Schütz Fine Art ausgestellt hat.

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