28.01.2020

#1 - Die Aussteller

Alles Ansichtssachen

Was ist modern, was ist zeitgenössisch, was regt auf, was ist brav, was ist frech? Solche Fragen darf man sich vor der Kunst stellen. Vor der, die bahnbrechend und wegweisend war und vor der Neuen, die ohne die Tabubrüche der Vergangenheit nicht sein könnte.

Kunsthandel Giese & Schweiger
Zwei Ansichten erlaubte sich etwa der Secessionist Gustav Klimt von seinem weiblichen Modell. Einmal von vorne und einmal seitlich von hinten hat er den nur zart bekleideten Akt gezeichnet. Heute ein Klassiker, bei der ART VIENNA auf dem Stand von Kunsthandel Giese & Schweiger zu finden. Damals gewagt und provokant. Dem gegenüber hängt Erwin Wurm. Und wo Klimt seine Modelle auszog, zog sie Wurm wieder an. Mit verschiedenen Textilien schuf er sechs Kleider-Mensch-Skulpturen für die Modemarke „Palmers“.

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Kunsthandel Freller
Bei Kunsthandel Freller zeichnet sich dann Maria Lassnig selbst, zweimal aus zwei verschiedenen Blickwinkeln: „Selfportraits“ nennt sich die 48,2 x 60,5 cm große Buntstiftzeichnung auf Papier aus dem Jahr 1977. Mehrfach schaute bei Freller auch Christian Ludwig Attersee hin und sah 1998 „Doppelte Sonne“ für seine handbemalte Lithographie, während der nächste große Österreicher, Günter Brus, 1982 in Kreide auf Papier „Keine Zeit für sanfte Wolken“ hatte.

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Galerie 422 Margund Lössl
Auch die Farbe Rot hat nicht nur einen Ton, sondern viele. Das führt in zwei beeindruckenden Werken der österreichischen Moderne die Galerie 422 Margund Lössl aus Gmunden in der Hofburg vor: In „Oranges Flämmleraufstromfeld“, ein großformatiges Ölbild, das Gunter Damisch 2011 gemalt hat, mischt sich das leuchtende Rot mit Gelb zu Orange und Hermann Nitsch hat die Farbe in Acryl mit Blut auf Jute 2010 mehr als nur eintönig geschüttet.

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artdepot gallery
Mit Fragen über Wahrnehmung und deren ästhetische Prozesse beschäftigt sich Nora Schöpfer in aktuellen Werkserien. Die Ansichten darin zeigen häufig Kunsträume und Menschen, welche dort in Betrachtung vertieft sind. Bildfragmente aus Kunstbetrachtung, Natur und Alltag überlagern sich und zeichnen einen Ablauf vom sinnlichen Erfassen bis hin zum neu konstruierten Bild einer Realität nach. Bei artdepot gallery geschieht dies auch Schöpfers dreiteiliger Arbeit „aesthetic perception 1“, 2019, Océ Print auf Alu Dibond.

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Galerie Frey
„Verdrehter Voyeurismus“ nennt es Lucia Täubler in ihrem Text über die Porträts von Harding Meyer, den die Galerie Frey zeigt: „Der direkte Blick, mit dem Meyer arbeitet, spricht die Betrachter unausweichlich an: ,Schau her, schau mich an!‘ Und so liegt es am Betrachter die Gesichtszüge des Porträts zu studieren, Schicht für Schicht zu ,entkleiden‘, obwohl er sich umgekehrt beobachtet fühlt.“ Dem gegenüber hat sich Bernard Ammerer etwa mit „Spotlight“, 2020, Öl auf Leinwand, 100 x 140 cm, wieder der guten alten Landschaftsansicht zugewandt. Natürlich mit den Augen des Zeitgenossen gesehen.

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